Funkende Computer64'er Ausgabe 4/April 1984, S. 132-135Wer kennt das nicht: Man möchte verschiedenen Hobbys - in der eigentlich zu knapp bemessenen Freizeit - am liebsten immer gleichzeitig nachgehen. Beschäftigt man sich mit einer Sache, bleibt keine Zeit mehr für anderes, was man auch gern tut. Nicht so bei Helmut Isenberg; er hat seine zwei Lieblingsbeschäftigungen - Amateurfunk und Programmieren - in nahezu idealer Weise miteinander verknüpft. ![]() Mit seinem Commodore 64 und dessen kleinem Bruder, dem VC 20, verschönt er sich die Freizeit in vielfältiger und interessanter Weise. Er nutzt sie für Funkfernschreiben (RTTY: Radio-Teletype) zur Auswertung von VHF- und UHF-Wettbewerben, zur Übertragung von Programmen über Funk und zur automatischen Fernbedienung anderer Computer über Funk. Durch den Einsatz des Commodore ist die Abwicklung des Funkfernschreibens für den begeisterten Amateurfunker wesentlich komfortabler geworden. Doch bis er diese Erfahrung machen konnte, war der Weg steinig. Zunächst suchte er lange nach einem entsprechenden Programm. Es sollte beim Funkfernschreiben bequem zu handhaben sein: einfache Bedienerführung und maximaler Schutz vor Fehlbedienung. Außerdem sollte es auf einer Hardware laufen, die sich mit dem Geldbeutel-Inhalt des Amateurfunkers in Einklang bringen ließ. Doch mit dem, was sich ihm anbot, war er alles andere als zufrieden. So faßte er vor etwa zwei Jahren den Entschluß, seine Anforderungen selbst zu erfüllen. Beruflich war er zwar schon seit längerem in der Computerei beheimatet, doch seitdem hat der Spaß am Programmieren und Austüfteln von Erleichterungen noch um einiges zugenommen.
Als Hardware bevorzugt er den VC 20, zum einen aufgrund des günstigen Preises und zum anderen wegen der serienmäßig vorhandenen RS232-Schnittstelle (im Userport), die die nötigen Anschlüsse für einen Datenaustausch (und das ist Fernschreiben ja) bietet. Als besonders wichtigen Vorzug stellt Helmut Isenberg die Stabilität des Computers in Verbindung mit Funk heraus: Der Commodore stört aufgrund seiner metallischen Innenauskleidung in keiner Weise den Funkverkehr und umgekehrt. Mit anderen Computermodellen haben Kollegen in seinem Funkamateur-Ortsverband schon sehr schlechte Erfahrungen gesammelt. Informationen per Amateurfunk zu übermitteln ist ein Hobby, das äußerste Präzision und Einhalten von vereinbarten Kürzeln bedeutet. Wenn im folgenden derartige Abkürzungen vorkommen, folgt eine kurze Erläuterung ihrer Bedeutung in Klammern. Breites Anwendungsspektrum Die Auswertung von Wettbewerben vereinfacht Routinearbeiten bei dem sonst so abwechslungsreichen Amateurfunk-Hobby. Bei Funkwettbewerben muß der Amateurfunker sein Logbuch mit allen gefahrenen QSOs (Funkgesprächen) beim Wettbewerbbearbeiter einreichen. Die Eintragungen müssen in einer vorgeschriebenen Norm vorliegen. Bis vor einiger Zeit war es hinderlich, immer alles von Hand entsprechend sauber und ordentlich einzutragen: Entfernung der Funkgespräche und Punktzahl wurden aus Listen abgelesen, doppelte Verbindungen mußten herausgefunden und entwertet werden. Mit dem Programm zur Erfassung und Bearbeitung der QSO-Werte lassen sich diese Auswertungen um ein Vielfaches schneller und vor allem auch ohne Fehler erledigen. Hinzu kommt der saubere und übersichtliche Ausdruck der QSL-Karten (Bestätigungskarten über Funkverbindungen) mit einem angeschlossenen Matrix-Drucker. Das Programm zur Datenübertragung per Funk basiert auf der Funkfernschreib-Software, die im Verlaufe dieses Artikels noch eingehend beschrieben wird. Mit 300 Baud im ASCII-Format ist für Amateure auf dem 2 m UKW-Band ein optimiertes Verhältnis von Geschwindigkeit und Störabstand gegeben. Datenaustausch ist auch das Stichwort bei der weiteren Anwendung: Rechnerkommunikation per Funk. In dem Ortsverband rund um Helmut Isenberg ist zwar der VC 20 am stärksten vertreten, doch auch mit Modellen anderer Hersteller wie Apple und Atari klappt die Zusammenarbeit einwandfrei. Funkfernschreiben ist am interessantesten Als eindeutig am interessantesten beurteilen die Amateurfunker das Funkfernschreiben. Das Hobby bekommt den Anstrich eines professionellen Datenaustauschs. Hierzu Helmut Isenberg: "Funkfernschreiben ist im Unterschied zu einfachem Amateurfunk kein 'Plapper-Funk'". Nach seiner Schätzung arbeiten etwa 50 Prozent seiner Funkfernschreib-Kollegen noch mit alten ausgedienten Fernschreibern - ohne Computer und schwelgen dabei in einer Welle von Nostalgietechnologie. Mit einer Geschwindigkeit von 45 Baud werden die Fernschreiben über Funk an einen anderen Amateurfunker übermittelt. Die übliche Geschwindigkeit im deutschen Fernschreibnetz liegt bei 50 Baud. Doch die von den Funkern erworbenen Telex-Geräte sind größtenteils mechanisch zu abgenutzt und ausgeleiert, als daß sie bei 50 Baud noch mithalten könnten. Nicht allein in dem Funkamateur-Ortsverband, dem auch Helmut Isenberg angehört, stehen die Funkfernschreib-Programme RTTY-V3 und RTTY-C64 hoch in der Gunst der kommunikationsfreudigen Hobbyisten - bis hin nach Dänemark hat's bereits "gefunkt". Die Arbeitsweise und die Funktionen beider Programme sind im Prinzip identisch.
Für RTTY-V3 benötigt man einen VC 20 mit mindestens 8 KByte Speichererweiterung und für RTTY-C64 einen Commodore 64. Beide Programme sind in Basic geschrieben und für den Benutzer "offen". Nach Ansicht von Helmut Isenberg kann sie ein Basic-kundiger Anwender leicht für eigene Belange modifizieren. Zuerst wird das Programm individualisiert Vor der ersten "richtigen" Nutzung zum Senden oder Empfangen von Funkfernschreiben müssen einige benutzerspezifische Einstellungen vorgenommen werden. Dazu wird das Programm wie gewohnt geladen. Anzupassen sind das Rufzeichen, die Texte für die Stationsvorstellungen, die Gerätenummern für das Speichermedium (Kassette) etc. (Bild 1). Ist ein abgefragtes Gerät nicht vorhanden, so ist dies mit "0" zu kennzeichnen. Das so modifizierte Programm sollte unbedingt auf einer anderen Diskette oder einem anderen Band gesichert werden. So kann im Notfall immer auf die Originalversion zurückgegriffen werden. Die gesamte Programmsteuerung erfolgt ausschließlich über Funktionstasten. Die Zusammenstellung der Funktionstastenbelegung ist auch gleichzeitig das Hauptmenü (Bild 2). Die von einem Untermenü ansteuerbaren Funktionen sind jeweils am Bildschirm angezeigt. Eine Besonderheit bildet die F8-Taste; über sie kann Helmut Isenberg jede angewählte Funktion und jedes Untermenü beenden. Die Bedienung des Programms ist nach Helmut Isenbergs Erfahrungen "narrensicher" und auch für Ungeübte kein Problem. Nach dem Programmstart wird zunächst die Uhrzeit eingegeben. Anschließend ist die Ubertragungsgeschwindigkeit festzulegen. Die Spanne reicht von 45 bis 300 Baud, wobei 45 Baud als Standard voreingestellt sind. Über die Funktionstaste F8 gelangt der Funker zum Hauptmenü (Bild 2). Hier kann er sich entscheiden, ob er Funkfernschreiben senden oder empfangen will. Der Empfang funktioniert auch, wenn der Anwender selbst nicht anwesend ist. Dazu muß er den Computer eingeschaltet und das Programm geladen haben. Über eine PTT(Push-to-talk)-Leitung ist der Commodore mit dem Funkgerät verbunden. Will ein Kollege eine Nachricht übermitteln, so schaltet ein Relais dieser Leitung das Programm auf Empfang und die Nachricht wird im Arbeitsspeicher hinterlegt. Die Information kann bis zu 8 KByte lang sein. Nachteil ist allerdings, daß eine hinterlegte Nachricht von einem nachfolgenden Sender überschrieben werden kann. Jeder, der ein Funkfernschreiben abschicken will und feststellt, daß der Empfänger gerade nicht persönlich anwesend ist, sollte also tunlichst vorher nachschauen, ob er nicht eine bereits vorhandene Information im Computer des anderen überschreibt. Programmfunktionen Und noch eines ist zu beachten: Bei der Umschaltung vom Sendebetrieb auf Empfang muß zuerst das Hauptmenü wieder aufgerufen werden. Die PTT bleibt dann so lange auf Sendung, bis alle Zeichen abgeschickt sind und der Sendende die F3-Taste betätigt. Auch wenn beispielsweise zehn Testschleifen gestartet werden, meldet sich zum Schluß das Hauptmenü. Es werden noch eine ganze Weile Fernschreibzeichen ausgegeben. Der Grund ist einfach: Alle Zeichen werden zunächst in einen 512 Byte großen Puffer geladen und das Unterprogramm ist beendet, bevor alle Zeichen mit einer Geschwindigkeit von 45 Baud gesendet sind. Während das Hauptmenü nach dem Untermenü "Senden" auf dem Bildschirm steht und noch Zeichen ausgegeben werden, kann logischerweise nicht auf "Empfang" geschaltet werden. Die Zeichen befinden sich in dem Puffer, in dem auch eingehende Informationen zwischengespeichert werden. Es ist jedoch möglich, in dieser Zeit jede Funktion aufzurufen, die für den Sendebetrieb des Funkgeräts nötig sind. So kann man unmittelbar nach den 10 CQ-Schleifen (CQ: Anruf an alle die gerade "hören") die F1-Taste drücken und beispielsweise "PSE KKKK DE DL4FBR" ("Bitte komm für DL4FBR") eingeben. Danach betätigt man F8 (Sprung ins Hauptmenü), um dann mit F3 auf Empfang umzuschalten. Das Empfangsmenü wird jedoch erst nach dem letzten zu sendenden Zeichen aufgerufen und erst in diesem Moment wird auch die PTT-Leitung umgeschaltet. Im folgenden werden die in Bild 2 zusammengestellten Programmfunktionen näher beschrieben. F1 - Senden Über die Funktionstaste F8 gelangt man zum Hauptmenü zurück, während über die PTT-Leitung weiter gesendet wird. Jetzt kann sofort die Vorstellung, CQ-Rufe (Anruf an alle) oder die Testschleife gewählt werden. Andere Funktionen - auch Empfang - sind erst möglich, wenn alle Zeichen gesendet sind. F3 - Empfang Der Inhalt des Empfangsspeichers kann auf ein Speichermedium ausgegeben oder mit dem Unterprogramm "RTTY-UT" ausgedruckt werden. Ebenso wie beim Senden kommt man auch beim Empfang nur über das Hauptmenü in den jeweils anderen Modus. F5 - Vorstellung F7 - CQ-Ruf (Ruf an alle) Am Ende wird bei der derzeitigen Programmversion nicht die übliche Abschlußbetätigung angefordert: "PSE KKK DE... AT...". Es ist angeraten, nach dem Durchlauf des letzten Textes direkt vom Hauptmenü auf "Senden" zu schalten und einen beliebigen Schlußtext zu übermitteln. F2 - Baudrate wählen Auch die Codierung ist vom Anwender veränderbar: Die ASCII-Baudot-Tabellen können gelöscht werden und das Programm ist so veränderbar, daß 8-Kanal ASCII empfangen/gesendet werden kann. Die gängigen Filterkonverter arbeiten jedoch nur bis 75 Baud einwandfrei. Die Erfahrung hat gezeigt, daß es möglich ist, über einfache Schaltungen gute Ergebnisse bis zu 600 Baud zu erzielen. F4 - Test (RYRY) F6 - Bandverarbeitung Die im folgenden angegebenen Funktionstasten beziehen sich auf dieses Untermenü.
F1 - QSO Sichern F3 - Band Schreiben F5 - Band Aussenden F8 - Sonderfunktionen Texte verwalten SEL-CALL Starten Speicher Senden Kurztext Eingeben Zum Aussenden dieses Textes steht eine weitere Sonderfunktion "Kurztext Senden" zur Verfügung. Soll der Inhalt des Empfangsspeichers weiterversandt werden, so wird dies über die Sonderfunktion "QSO Senden" ermöglicht. Texte Freigeben Zeit Stellen QRM (Störungen) Umschalten (Helmut Isenberg/kg)
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